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Gelbe Karte für Hochtief

Warnstreiks im Tarifkonflikt, Hochtief kündigt Verträge

Hochtief-Beschäftigte am 1. Oktober auf der A7-Baustelle (Foto: IG BAU).
Hochtief-Beschäftigte am 1. Oktober auf der A7-Baustelle (Foto: IG BAU).
05.10.2020
Mit einer kraftvollen Warnstreik-Aktion hat die Belegschaft der Hamburger Hochtief-Niederlassung ihrem Arbeitgeber die Gelbe Karte gezeigt. Zuvor waren die Haustarifverhandlungen bei dem weit verzweigten Baukonzern ins Stocken geraten, die Konzernleitung kündigte als "Druckmittel" wertvolle Betriebsvereinbarungen. Grund genug für die Beschäftigten auf den Baustellen und in den Büros, für mehrere Stunden die Arbeit niederzulegen - und die A7-Baustelle "Stellinger Tunnel" lahmzulegen.

Obwohl Hochtief 2017 aus dem Arbeitgeberverband ausgetreten ist, konnte der Baukonzern den zwischen der IG BAU und den Arbeitgeberverbänden ausgehandelten Flächentarif dank einer kampfstarken Belegschaft bislang nicht unterlaufen. Stattdessen handelte die IG BAU bei Haustarifverhandlungen meist ähnliche, teils sogar höhere Abschlüsse aus. In diesem Jahr versucht die Konzernleitung nun offenbar, ihre Belegschaft "am langen Arm verhungern zu lassen", so Matthias Maurer, Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei Hochtief und Vorsitzender der IG BAU Hamburg.

Alle Fotos: Gosch.

Tatsächlich fand die letzte Verhandlungsrunde im Juni statt, die Forderung der IG BAU nach unter anderem 6,8 Prozent mehr Lohn und Gehalt geht seitdem praktisch ins Leere. Hochtief hatte bis dahin gerade einmal 1,5 Prozent geboten - obwohl die deutsche Bauindustrie für das "Corona-Jahr" 2020 ein Plus von 3,5 Prozent erwartet und auch Hochtief seine Erlöse im ersten Halbjahr trotz Corona halten konnte.

Mit dem Warnstreik auf der A7-Baustelle setze die Belegschaft des Konzerns nun ein Zeichen, das kaum missverstanden werden kann. André Grundmann, Regionalleiter der IG BAU im Norden, deutete dann auch schon die Folgen einer weiteren Verweigerung der Hochtief-Führung an: "Die A7 ist hier ein Nadelöhr für den Verkehr nach Schleswig-Holstein und Skandinavien - weitere Streiks könnten zu langen Staus führen." Denn der wahrscheinliche Einsatz von Streikbrechern würde zu Kampfmaßnahmen der Gewerkschaft führen, die auch den fließenden Verkehr beeinträchtigen würde.

Neue Gespräche wurden nun für den morgigen Dienstag vereinbart.

Olaf Harning

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