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Einer von uns: Alexander Kahl

"Über den Tellerrand hinausschauen."


01.12.2019
Mitzureden, sich einzubringen, das ist für Alexander Kahl schon seit seiner Jugend selbstverständlich: Klassensprecher, Schulsprecher, JAV-Mitglied. Heute engagiert sich der 32jährige im Betriebsrat von HOCHTIEF und ist Vorsitzender im Hamburger Bezirksarbeitskreis Betriebsräte.

"Mich zu engagieren, macht mir einfach mehr Spaß, als nur Tag für Tag meinen Job zu machen", meint der gelernte Industriekaufmann. Wobei seine Arbeit alles andere als eintönig ist: Als Projekteinkäufer ist er für die Aufträge an externe Firmen zuständig; auf einer Baustelle können das 20 bis 30 Gewerke sein. Diese Aufgabe bringt ihn auch regelmäßig auf die Baustellen und in Kontakt mit den KollegInnen "draußen", für die er im Betriebsrat, einem Neuner-Gremium", mit verantwortlich ist.

Alexander Kahl: Möchte vor allem mehr junge Leute für die Mitwirkung in der IG BAU begeistern (Foto: IG BAU).

2014 ist Alexander Kahl in die IG BAU eingetreten: "Nachdem ich von der JAV in den Betriebsrat gerutscht bin, war mir klar, ich will das dauerhaft machen - und das geht nicht ohne Gewerkschaft." Nicht zuletzt beim Austritt von HOCHTIEF aus dem Arbeitgeberverband 2016 zeigte sich die Bedeutung der IG BAU als verlässliche Partnerin an der Seite der Beschäftigten: "Hier wurde allen klar, dass wir eine starke Organisation brauchen, um zu verhindern, dass unsere Tarifverträge untergraben werden. Dass wir mit Masse und Mehrheiten an einer starken Arbeitnehmervertretung im Betrieb unsere Anliegen durchsetzen können."

Die Branche attraktiver machen

Themen wie Gesundheitsförderung, Stressreduzierung und Arbeitszeit-Flexibilität sind dem jungen Betriebsrat besonders wichtig: "Da hat die Baubranche echt Nachholbedarf", meint er.

So freut ihn sehr, dass der Betriebsrat von HOCHTIEF eine Betriebsvereinbarung zu gleitender Arbeitszeit abschließen konnte; ein Novum in der Branche. "Wir suchen händeringend Fachkräfte. Wir müssen die Branche und ihre Jobs unbedingt attraktiver machen", meint er.

Ausgesprochen spannend findet Alexander Kahl die Arbeit im Wirtschaftsausschuss von HOCHTIEF. Dieser kommt an wichtige Finanzdaten und weitergehende Informationen, die gegebenenfalls dabei helfen können, Probleme des Unternehmens frühzeitig zu erkennen - und wenn nötig, arbeitsplatzsichernde Schritte einzuleiten oder arbeitnehmerfreundliche Alternativen zu entwickeln. Viel Spaß machen ihm auch die Arbeit in der Tarifkommission, die Organisation der Betriebsräte-Fragestunde der IG BAU in Hamburg und die Aktionen rund um die Tarifrunden, wenn er mit seinen BetriebsratskollegInnen über die Baustellen tingelt, um die Beschäftigten über den Stand der Verhandlungen auf dem Laufenden zu halten.

Mehr junge Leute für die Mitwirkung in der IG BAU zu begeistern, ist dem überzeugten Gewerkschafter ein besonderes Anliegen: "Früher war es selbstverständlich, in der Gewerkschaft zu sein. Heute fragen die Leute vor allem: Was springt für mich dabei raus?" Er selbst sieht viele Vorteile: etwa Beratung in Arbeitsrechtsthemen, Rechtsschutz oder Vergünstigungen in etlichen Bereichen wie Reisen und Versicherungen.

Alexander Kahl (hinterm Transparent, Mitte links) bei einem gewerkschaftlichen Fußballturnier im Kreise seiner KollegInnen (Foto: Günter Brauer).

Aber noch wichtiger: "Man lernt so viel im Austausch mit den Kollegen, mit den verschiedenen Positionen. Man kann sich Ziele setzen und diese gemeinsam erreichen. Man kann sich nicht nur für seine Arbeitsbedingungen einsetzen, sondern auch für die Gesellschaft. Sicher - das kostet auch Zeit und Kraft. Aber man erweitert seinen Horizont erheblich und kann über den Tellerrand hinausschauen."

Cordula Binder

Dieser Artikel ist zuerst in der November-Ausgabe des Grundstein, der Mitgliederzeitschrift der IG BAU, erschienen. Für seine Reihe "Eine/r von uns; Mut-Macher" sucht der Grundstein aktive Gewerkschaftsmitglieder, die anderen mit ihrem Engagement Mut machen wollen. Wem dazu etwas einfällt, kann unter dem Stichwort "Eine/r von uns" unter folgender Adresse an die Redaktion schreiben: Der Grundstein/Der Säemann, Olof-Palme-Straße 19, 60439 Frankfurt am Main; E-Mail: grundstein@igbau.de

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