Hagenbeck-Mitarbeiter:innen mit Teilnehmer:innen der Mai-Demonstration in Hamburg 2022
Hagenbeck-Beschäftigte und Gewerkschaftsvertreter:innen vor der Bühne der diesjährigen Mai-Kundgebung in Hamburg (Foto: Harning).
22.11.2022
Nachrichten

Die Auseinandersetzungen zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung im Tierpark Hagenbeck gehen in eine neue Runde: Trotz eindeutiger Rechtslage verweigert Geschäftsführer Dirk Albrecht dem 2021 gegründeten Betriebsrat der Institution selbst grundlegende Rechte und fast jegliche Zusammenarbeit. Vor wenigen Tagen gab es nun einen weiteren Termin vor dem Hamburger Arbeitsgericht.

Bei den drei am 7. November verhandelten Güteterminen ging es inhaltlich um das Recht des Betriebsrats auf Einsicht in Gehaltslisten, die Kostenübernahme für die Anmietung externer Sitzungsräume durch das Gremium und die Kosten für den Anwalt der Arbeitnehmervertretung. Obwohl das Familienunternehmen letztlich in allen drei Fällen verlieren dürfte, endeten die Gütetermine ergebnislos: Der Hagenbeck-Anwalt hatte offensichtlich kein Mandat von Albrecht, sich mit dem Betriebsrat zu einigen. Daher kommt es nun im Januar zu ordentlichen Kammerterminen, an deren Ende das Gericht entscheiden muss.

Sage und schreibe 33 solcher Verfahren - mal mehr, mal weniger brisanten Inhalts - sind aktuell gegen den Tierpark oder mit Beteiligung des Tierparks anhängig, darunter auch Strafverfahren wegen Behinderung der Betriebsratsarbeit. Das ergab eine Kleine Anfrage der LINKEN-Abgeordneten Stephan Jersch und David Stoop in der Hamburger Bürgerschaft. Sollten Albrecht und der von ihm geführte Tierpark wie erwartet einen Großteil dieser Verfahren verlieren, dürfte das den Zoo am Ende Tausende Euro kosten. Und Albrecht selbst riskiert noch mehr: Denn Behinderung der Betriebsratsarbeit ist eine Straftat, die mit hohen Geld- oder gar Freiheitsstrafen geahndet werden kann.

Die Konflikte im Tierpark begannen im Herbst 2000, als die Geschäftsführung nach kontroversen Gesprächen über eine Betriebsvereinbarung zum Thema Kurzarbeit telefonisch 9 Kündigungen aussprach und über die Presse wissen ließ, man würde diese Kündigungen zurücknehmen, wenn der Betriebsrat einlenkt. Als der Betriebsratsvorsitzende Thomas Günther und sein Gremium standhaft blieben und die IG BAU sowie einen Anwalt einschalteten, eskalierte die Situation weiter: Nun wurde auch Günther selbst freigestellt und ein sogenanntes "Zustimmungsersetzungsverfahren" eingeleitet, um ihm trotz bzw. wegen seiner Betriebsratstätigkeit kündigen zu können. 

Zwar nahm das Unternehmen die meisten Kündigungen schließlich zurück und scheiterte im März 2021 auch mit dem Rausschmiss seines BR-Vorsitzenden. Ein dem Betriebsverfassungsgesetz entsprechendes Verhältnis auf Augenhöhe aber verweigert Geschäftsführer Albrecht dem Betriebsrat bis heute. Und auch die IG BAU bemüht sich bisher vergeblich, auch nur einen Verhandlungstermin über den Abschluss eines Haustarifvertrags zu vereinbaren.

Dennoch sind Gewerkschaft und Betriebsrat optimistisch, was die Zukunft der Beschäftigten im Tierpark angeht: die Belegschaft hat den Betriebsrat 2021 mit großer Mehrheit im Amt bestätigt, die IG BAU konnte in den letzten zwei Jahren zahlreiche Mitglieder bei Hagenbeck gewinnen. Erste Warnstreikaktionen haben den Druck auf Albrecht erhöht, in absehbarer Zeit in Tarifgespräche einzutreten. Wie es bei Hagenbeck weitergeht, hängt nun vom Durchhaltevermögen der Belegschaft ab - und vom Ausgang der anstehenden Gerichtsverfahren.

Olaf Harning

Ein auf ein Bettlaken gemalter, grüner Elefant, der sich aufrichtet, über ihm ein rotes BAU-Logo.
Elefant trägt BAU-Logo: Die Zahl der gewerkschaftlich organisierten Tierpark-Beschäftigten wächst (Foto: Harning).