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Schieflage am Arbeitsmarkt

Anteil "atypischer" Jobs in Hamburg steigt auf 37 Prozent

Matthias Maurer, Vorsitzender der IG BAU Hamburg (Foto: Harning).
Matthias Maurer, Vorsitzender der IG BAU Hamburg (Foto: Harning).
12.08.2017
Immer mehr unsichere Jobs: 382.000 Hamburger arbeiten in Teilzeit, Leiharbeit oder haben einen Minijob als alleiniges Einkommen. Damit ist der Anteil der so genannten atypischen Beschäftigung an allen Arbeitsverhältnissen im vergangenen Jahr auf einen Rekordwert von 37 Prozent gestiegen. Das kritisiert die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Die Gewerkschaft beruft sich hierbei auf eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung, die die Entwicklung am Arbeitsmarkt seit dem Jahr 2003 untersucht. Damals lag die Quote atypischer Jobs noch bei 28 Prozent.

IG BAU-Bezirkschef Matthias Maurer spricht von einem „Alarmsignal an die Politik“: „Es kann nicht sein, dass wir einerseits einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben, aber andererseits so viele Menschen in prekären Verhältnissen arbeiten“, sagt Maurer. Hier sei „grundsätzlich etwas in Schieflage geraten“. Der unbefristete Vollzeit-Job müsse dringend wieder zum Normalfall werden, fordert die IG BAU Hamburg.

Auf rund 37 Prozent ist der Anteil von Teilzeit, Minijobs und Leiharbeit an allen Beschäftigungsverhältnissen in Hamburg gestiegen (Grafik: Hans-Böckler-Stiftung).

Nach Angaben der Böckler-Stiftung hat besonders die Teilzeit-Beschäftigung drastisch zugenommen: Arbeiteten 2003 noch etwa 132.500 Erwerbstätige in Teilzeit, waren es 2016 bereits rund 245.000 – ein Anstieg von 85 Prozent. „Gerade für Frauen ist es nach einer Familienpause enorm schwer, wieder voll in den Beruf einzusteigen. Gegen die Teilzeit-Falle brauchen wir endlich ein verbrieftes Rückkehrrecht in Vollzeit“, ist Matthias Maurer überzeugt. Ein entsprechender Gesetzentwurf der großen Koalition war in diesem Frühjahr am Widerstand der Union gescheitert.

Auch bei Minijobs gibt es der Studie zufolge keine Entwarnung: Rund 107.000 Menschen in Hamburg waren 2016 ausschließlich geringfügig beschäftigt (2003: 94.000). In der Gebäudereinigung machten Minijobs mittlerweile die Hälfte aller Arbeitsplätze aus, berichtet Gewerkschafter Maurer. Auch hier seien es insbesondere Frauen, die nach einem Jobverlust oder einer Trennung oft schnell in Hartz IV abrutschten.

Mit Blick auf die Bundestagswahl im September fordert die IG BAU Hamburg von den Parteien klare Konzepte gegen die Unwucht am Arbeitsmarkt. Dazu müsse die Abschaffung der Befristungen ohne sachlichen Grund genauso gehören wie die Einbeziehung von Minijobs in die Sozialversicherung. „Dabei sind auch die Arbeitgeber in der Pflicht. Statt aufs Billig-Prinzip sollten Chefs auf Kontinuität setzen“, betont Maurer. Wer heute vollwertige Stellen schaffe, brauche sich morgen nicht um fehlende Fachkräfte sorgen.

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